Autor: Peter Springfeld, freier Redakteur
Sandvik-Bergbaumaschinen findet man neben den Einsätzen in der Rohstoffgewinnung auch beim Bau von Tunnel und Kavernen. Beispielsweise arbeiten Bergbaumaschinen mit am Bau der unterirdischen Verkehrsanbindung zum Flughafen Melbourne. Derzeit sind darüber hinaus einige Tunnelvortriebsmaschinen der Sandvik Mining and Construction GmbH, Zeltweg (A), in Sotschi am Schwarzen Meer im Einsatz, um ihren Beitrag zum Bau von unterirdischen Straßen- und Eisenbahnanbindungen zu den Wettkampfstätten der Olympischen Winterspiele im Jahre 2014 zu leisten.
„In der Fertigung und Montage haben wir“, erläutert Uwe Seifter, Production Development, „die Maschinen zwei Produktlinien zugeordnet. Das sind zum einen Roadheader (Teilschnittmaschinen), die mit Schneidköpfen auch härtere Gesteine abbauen und zum anderen Bolter Miner, die mit Schneidwalzen u. a. im Kohlebergbau arbeiten. Für jede dieser Maschinen werden sechs unterschiedliche Getriebe gebraucht. Auf jeder Maschine arbeiten ein Schneidgetriebe, zwei Ladergetriebe, zwei Fahrwerksgetriebe und ein Förderergetriebe. Insgesamt haben wir etwa 25 verschiedene Maschinen, die alle unterschiedliche Getriebe haben. Das heißt, wir fertigen etwa 150 verschiedene Getriebe in hoher Fertigungstiefe. So gehört der Getriebebau mit zu unseren Kernkompetenzen. Auf der Grundlage dieses Erfahrungsschatzes fertigen wir Spezialgetriebe auch für Hersteller von anderen robusten Baumaschinen, beispielsweise Getriebe für Schaufelradbagger aber auch Walzwerkgetriebe.“
„Zu unserem Kern-Know-how“, hebt Uwe Seifter hervor, „gehört primär die Gestaltung der Abraum-Werkzeuge – das sind beispielsweise Schneidköpfe, Schneidtrommeln sowie Meißel und andere Schneidtechnik. Als wichtigste Grundlage für die Konstruktion und Fertigung betreiben wir ein eigenes Technologiezentrum. Dort stehen uns zwei Gesteinsprüfstände zur Verfügung, auf denen u. a. Gesteinshärten und Abrasivitäten ermittelt sowie entsprechende Schneidversuche gefahren werden. Auf der Grundlage dieser Untersuchungen gestalten wir die Schneidköpfe bzw. Schneidtrommeln so, dass sie optimal zu den jeweils spezifischen Abbaubedingungen passen. Bei diesen Optimierungsprozessen können wir auf unsere Datenbank zurückgreifen, in der die maßgeblichen Daten von über 5.000 Gesteinsproben gesammelt sind. Wahrscheinlich handelt es sich um die weltweit größte Datensammlung in diesem Fachbereich.“
Vollschnittmaschine für den Kalisalz-Abbau
„Bei unserer Vollschnittmaschine handelt es sich um eine Neuentwicklung. Es ist“, erwähnt Uwe Seifter, „unsere derzeit größte Gewinnungsmaschine für russische und kanadische Unternehmen, die im Kalisalzabbau tätig sind. In dieser 250 t schweren Maschine ist auch unser größtes Schneidgetriebe eingebaut – es wiegt knapp 50 t. Auf die gewaltigen Schneidköpfe sind Platten montiert, auf die Meißelhalter und Abstandshalter aufgeschweißt sind. Zum Abbau von harten Gesteinen gibt es Konstellationen, wo pro Schneidkopfseite bis zu 88 Meißelhalter in ganz speziellen Positionen arbeiten, um Gesteine mit Härten von 150 bis 200 Megapascal abbauen zu können.“
„Doch nicht nur die Abbauwerkzeuge unterscheiden sich“, fügt Herbert Geier, Bereichsmeister, hinzu, „wir bauen alle Maschinen in gewissen Grundspezifikationen und die Kunden suchen sich dazu alle Optionen selbst aus – d. h., in der Regel ist jede fertig gestellte Maschine ein Unikat.“
Erfolgreiche Ersatzinvestition
„Für die Bearbeitung der Schneidkopf-Platten, auf die die Meißelhalter und die Abstandshalter aufgeschweißt sind, aber auch für die Bearbeitung von Getriebeteilen suchten wir Ersatz für ein älteres Bearbeitungszentrum“, erläutert Herbert Geier. „Auf Grund spezieller Bedingungen in unserem Zerspanungsbereich kam nur ein Maschinenbauer in Frage, der uns eine Maschine baut, die mit höchster Zuverlässigkeit arbeitet, eine lange Lebensdauer bietet und dabei alle Aspekte einer wirtschaftlichen Bearbeitung von Kleinserien und Einzelteilen bedient. Die individuelle Fertigung nach Auftraggeberwunsch erfordert es, das nicht selten in das an die Maschine überspielte Bearbeitungsprogramm eingegriffen und optimiert werden muss. Daher gehörte eine einfache Programmierbarkeit sowie eine komfortable Bedienbarkeit mit zu den engeren Auswahlkriterien.“
Zu den wirksamsten Strategien, die Werkzeugeingriffszeit zu maximieren, gehört die Reduzierung von Maschinenhilfs- und Stillstandszeiten. „Deshalb suchten wir“, erklärt Uwe Seifter, „einen Maschinenhersteller, der uns einen überzeugenden Service bietet, der Servicezusagen einhält und mit geschultem Servicepersonal arbeitet. Der Hersteller des Bearbeitungszentrum HEC 1600 Athletic, die StarragHeckert GmbH, erfüllte unsere Wünsche sowohl in Hinsicht der Zerspanleistung und der Produktivität als auch in Richtung der Fertigungspräzision und Zuverlässigkeit. Darüber hinaus wurden unsere Sonderwünsche ebenso präzise umgesetzt.“
Zu den Besonderheiten der Maschinenaufstellung, die sofort auffällt, gehört das abgesenkte Maschinenfundament. Im Vergleich zur Fußbodenoberkante liegt es 900 mm tiefer. „Die Maschinenoberkante hat ein bestimmtes Mindestmaß zum Kranhaken des auch in diesem Bereich agierenden Brückenkrans einzuhalten. Die zweite Besonderheit ist nicht sichtbar. Bei dem uns zur Verfügung stehendem Platz war die Späne- und die Kühlschmiermittelabsaugung unter die Maschine zu setzen und seitlich abzuführen“, erörtert Herbert Geier.
BAZ mit H/V-Kopf für die wirtschaftliche Fünf-Seiten-Bearbeitung
„Auf dem StarragHeckert-Bearbeitungszentrum HEC 1600 Athletic“, so Uwe Seifter, „werden unterschiedliche Präzisionsteile für unsere Getriebefertigung bearbeitet. Dazu gehören vorgedrehte Teile wie Dichtungsteile oder Lagersitze, die auf der HEC 1600 Athletic gebohrt sowie einfach und zirkular gefräst werden. Mühelos bearbeitet das StarragHeckert-BAZ auch Teile, die durch Auftragsschweißen eine besondere Härte erhalten. Die erforderlichen Bearbeitungsgenauigkeiten liegen im H7-Bereich bei einem Durchmesser von 200 mm. Nach dem auf die Schneidkopf-Platten Meißelhalter und die Abstandshalter aufgeschweißt wurden, gelangen auch diese Werkstücke zur mechanischen Bearbeitung in die HEC 1600 Athletic.“
Das StarragHeckert-Bearbeitungszentrum HEC 1600 Athletic besitzt einen schwenkbaren Horizontal-/Vertikalfräskopf sowie einen NC-Drehtisch für die wirtschaftliche 5-Seiten-Bearbeitung von komplexen Werkstücken. „Wir haben diese Ausstattung gewählt“, bekräftigt Uwe Seifter, „weil wir mit dem Horizontal-/Vertikalfräskopf eine hohe Produktivität bei einer hohen Bearbeitungsgenauigkeit erreichen. Einige Werkstücke erfordern H6-Qualität. Das sind Bearbeitungen im hundertstel Millimeter-Bereich.“
Mit Positionierunsicherheiten ≤ 7 µm bietet das BAZ HEC 1600 Athletic sehr hohe Maschinengenauigkeiten. „Darüber hinaus“, fügt Herbert Geier hinzu, „reduzieren wir durch die 5-Seiten-Bearbeitung den Anteil der Nebenzeiten, weil die Anzahl der notwendigen Aufspannungen sinkt. Für uns bedeutet das, dass wir in der Regel mit zwei bis drei Aufspannungen auskommen. Weniger Aufspannungen tragen des Weiteren zu einer höheren Fertigungsgenauigkeit bei.“
Produktive Fertigung
„Neben der Reduzierung von Aufspannzeiten“, hebt Uwe Seifter hervor, „besitzt die HEC 1600 Athletic drei Maschinenpaletten. Eine ist für externe Aufspannarbeiten vorgesehen. Sie wird bei Bedarf der Maschine per Kran, die beiden anderen von den beiden vorgelagerten Beladestationen zugeführt. Auf diese Weise bleibt dem Bediener genügend Zeit, um alle Auf- und Abspannarbeiten hauptzeitparallel durchzuführen.“
Zur produktiven Zerspanung tragen auch kurze Werkzeugwechselzeiten bei. Der Werkzeugwechsler mit seinem Doppelgreifer ist in der Lage, Span-zu-Span-Zeiten mit Werkzeugen aus dem Kettenmagazin, die nicht mehr als 15 kg wiegen, von unter 12 Sekunden zu erreichen.
Ein wenig länger dauert es in Zeltweg, da hier die Werkzeuge aus dem Turmmagazin getauscht werden. „Diese Turmmagazine“, erwähnt Herbert Geier, „bieten ein ausgezeichnetes Werkzeughandling. Der manuelle Werkzeugtausch ist am Turmmagazin auch während der Bearbeitung und innerhalb des automatischen Wechselprozesses möglich. Wir haben uns für ein Turmmagazin mit 240 Werkzeugplätzen entschieden. Zusätzlich sind voreingestellte Werkzeuge in Werkzeugwagen bereitgestellt.“ Moderne Werkzeuge mit innerer Kühlmittelzuführung tragen ebenfalls zu hohen Zerspanleistungen bei. In der Standardausführung der HEC 1600 Athletic wird das Kühlschmiermittel mit einem Druck bis 60 bar bereitgestellt – optional sind auch 80 bar möglich.
„Mit dieser Maschine“, resümiert Uwe Seifter, „haben sich unsere Erwartungen an die verbesserte Fertigung voll erfüllt. StarragHeckert hat zwei Bediener in Zeltweg so gut eingearbeitet, dass wir problemlos in den Produktionsbetrieb einsteigen konnten. Selbst in der Einfahrphase sind nur wenige Probleme aufgetreten und diese hat der StarragHeckert-Service innerhalb weniger Stunden gelöst. Mit dem Stand von Ende April – also nach nur einem knappen halben Jahr im Fertigungsbetrieb – haben wir 275 NC-Programme für diese Maschine erstellt und sind 210 unterschiedliche Werkstücke abgefahren. Bis dahin hatten wir eine Einsparung von 1.368 Stunden erreicht. Das entspricht einem Produktivitätsanstieg von etwa 150 Prozent gegenüber der alten vergleichbaren Maschine. Die Leistungszusagen haben sich in der Praxis voll bestätigt. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass wir mit dieser Maschine gut umgehen können und diese sich sehr gut bedienen lässt.“